Change the language here →

EU Whistleblower-Schutz: So erfüllen Unternehmen die neuen Anforderungen

EU Whistleblower-Schutz: So erfüllen Unternehmen die neuen Anforderungen

Um einen europaweiten Standard zum Schutz von Hinweisgebern zu garantieren, hat sich das Europäische Parlament am 16.04.2019 auf Regeln für einen EU-weiten Hinweisgeberschutz geeinigt. Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst und erklären, wie Unternehmen sich nun vorbereiten sollten.

Auf einen Blick

Die Regeln zum neuen EU Whistleblower-Schutz

Das Europäische Parlament hat sich am 16.04.2019 auf Regeln für einen EU-weiten Hinweisgeberschutz geeinigt. 5 Fakten zur neuen EU-Whistleblower-Richtlinie:

  1. Die Verordnung der Europäischen Union schützt Hinweisgeber, die die Verletzung von EU-Recht melden. Dazu gehören zum Beispiel Rechtsverstöße wie Steuerbetrug, Geldwäsche oder Datenschutzverletzungen. 
  2. Die Regelung betrifft nicht nur Arbeitnehmer, sondern schützt auch Praktikanten, Ehrenamtler und Selbstständige.
  3. Die EU-Direktive verpflichtet Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern, Maßnahmen zum Hinweisgeberschutz zu ergreifen und sicherere Hinweisgeberkanäle und klare Meldeprozesse einzurichten. 
  4. Whistleblower werden ermutigt, Beobachtungen zunächst an diese unternehmensinterne Meldekanäle zu übermitteln. Je nach Umstand des Falls können Hinweisgeber sich auch an die zuständigen nationalen Behörden oder die zuständigen Organe, Einrichtungen, Ämter und Agenturen der EU wenden. Darüber hinaus können Whistleblower straffrei an die Öffentlichkeit und die Medien herantreten, wenn zum Beispiel nach der ersten Meldung an das Unternehmen oder die Behörden keine geeigneten Maßnahmen ergriffen wurden oder eine unmittelbare oder offensichtliche Gefahr für das öffentliche Interesse besteht.
  5. Hinweisgeber (und ihre Unterstützer, zum Beispiel Kollegen oder Familienmitglieder) profitieren von einem besonderen Rechtsschutz, der sie vor allen Formen von Vergeltungsmaßnahmen (wie Entlassung, Degradierung oder Einschüchterung) schützt. Sie erhalten Zugang zu rechtlicher, finanzieller und psychologischer Unterstützung.

Zur Pressemitteilung des Europäischen Parlaments

Update-Service

Wir stellen Ihnen monatlich die aktuellsten Web-Beiträge zum Thema Compliance zusammen. Melden Sie sich hier für unsere EQS Branchen-Newsletter an.

Test: Sind Sie auf das neue EU-Whistleblower-Gesetz vorbereitet?

So bereiten sich Unternehmen auf die Regeln zum EU Whistleblower-Schutz vor

Die neuen Regeln geben Hinweisgebern Flexibilität, ob sie sich zunächst an interne Meldestellen im Unternehmen wenden oder direkt an externe Stellen (Behörden, Journalisten, Öffentlichkeit). Aus Unternehmenssicht ist es allerdings erstrebenswert, Hinweise möglichst intern zu erhalten. So kann frühzeitig reagiert werden und ein Missstand bestenfalls eliminert werden, bevor die Öffentlichkeit davon erfährt. Ein professioneller, interner Umgang mit Hinweisen hilft also, Reputationsschäden und finanzielle Risiken zu vermeiden.

Der Vorteil von internen Hinweisen

Angesichts der Flexibilität bei der Wahl der Meldekanäle werden Unternehmen nun gefordert sein, das interne Melden von Hinweisen so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten. Dazu gehört vor allem die Einrichtung von internen Meldekanälen, welche Hinweisgebern Sicherheit und bestenfalls auch Anonymität geben. Nur dann werden Hinweisgeber auch motiviert sein, sich zunächst an interne Stellen zu wenden.

Der richtige Meldekanal

Bei der Wahl an internen Meldekanälen bieten sich vielfache Optionen: zu den gängigsten gehören vor allem Briefkästen, E-Mail-Postfächer, Ombudsmänner, Telefon-Hotlines und digitale Hinweisgebersysteme. Inpuncto Sicherheit und Anonymität empfehlen Compliance-Experten digitale Hinweisgebersysteme. Diese sind zudem für die Hinweisgeber einfach und ortsungebunden zu erreichen, was den Meldekanal weiter attraktiv macht.

White Paper: Interne Meldekanäle

Welche Meldekanäle sich für Unternehmen empfehlen, lernen Sie in diesem White Paper

Studie: Whistleblowing Report 2019

In welchem Umfang Unternehmen bereits heute Hinweisgebersysteme einsetzen, erfahren Sie in diesem Whistleblowing Report 

3 Tipps, wie Sie Ihr Unternehmen auf die EU-Richtlinie zum Schutz von Hinweisgebern vorbereiten:

Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter Missstände und Fehlverhalten innerhalb Ihres Unternehmens melden können. Richten Sie dazu ein vertrauliches und sicheres Hinweisgebersystem ein, das Sie idealerweise auch bei der Fallbearbeitung unterstützt. Achten Sie außerdem darauf, dass das System auch aktuelle Datenschutzbestimmungen, wie die DSGVO, erfüllt. Auf der Suche nach dem richtigen Meldekanal für Ihr Unternehmen? Unser kostenloses White Paper hilft Ihnen dabei verschiedene Hinweisgeberkanäle zu vergleichen.

Klären Sie zum Beispiel, welche Abteilungen für die Bearbeitung von Fällen zuständig sind und wie die Durchführung interner Untersuchungen abläuft. Schulen Sie außerdem die zuständigen Kollegen im Umgang mit den Meldekanälen.

Informieren Sie Ihre Mitarbeiter im Vorfeld über die Einführung des Meldekanals. Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter wissen, wie Sie Missstände vertraulich melden können. Nehmen Sie die Kommunikation des Hinweisgeberkanals auch in Ihre Onboarding-Schulungen auf und erinnern Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig an den Meldeablauf.

 

Hintergrund: Der Weg zum EU-Whistleblower-Gesetz

  • Bisher waren Whistleblower in nur wenigen EU-Mitgliedsstaaten ausreichend geschützt.
  • Das Fehlen klarer Schutzmechanismen führte dazu, dass nur wenige Mitarbeiter bereit waren, Missstände in Unternehmen zu melden.
  • Im April 2018 brachte die EU-Kommission deshalb einen Richtlinienvorschlag auf den Weg, der einen einheitlichen Schutz von Hinweisgebern schaffen sollte.
  • Seit April 2018 hatten Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments den im April vorgelegten Vorschlag diskutiert. Eine "provisorische Einigung" erfolgte am 11. März 2019.
  • Das Europäische Parlament hat sich am 16.04.2019 auf Regeln für einen EU-weiten Hinweisgeberschutz geeinigt.

Lassen Sie sich von einem Experten beraten

Manuel Rekittke

Manuel Rekittke

Head of Sales Compliance Services

+49 89 210298-25

Kontakt